von Monika Schmidmeier
Das Experiment,
den gewohnten Rahmen einer Buchhandlung zu verlassen, muss als
gelungen bezeichnet werden. Eigentlich hatten die Veranstalter vom
Fränkischen Brauereimuseum mit vielleicht zwanzig, dreißig Besuchern
gerechnet. Doch es kamen fast sechzig Krimifans auf den Michelsberg,
um Thomas Kasturas Geschichte um einen ermordeten Richter zu
lauschen.
„Als ich diese Gärbottiche da unten sah, musste ich sofort an
Umberto Ecos Im Namen der Rose denken, wo ein Mönch im Ochsenblut steckt. Ich
habe mir überlegt, wen ich da auffinden lassen könnte“, erklärt
Thomas Kastura, wie ihm die Idee zu seiner neuen Erzählung kam, die
den vielsagenden Titel „Es liegt noch eine Leiche im Gärkeller“
trägt.
„Die Anregung ging vom Brauereimuseum aus. Die Lesung ist der
Anfang einer Reihe von mehreren Kulturveranstaltungen, die dort
stattfinden sollen, um auch mehr auf das Museum aufmerksam zu
machen. Außerdem ist das einfach mal was Anderes. Wir wollten mal
die üblichen Lesungsorte verlassen. In einer Brauerei kommen die
Leute gerne zusammen.“
Auch gruseln durften sich die Zuhörer ein wenig, konnten sie sich
doch während der Lesung vorstellen, dass genau dort, unweit des
Gastraumes, sich ein Mord zugetragen haben könnte, genauer gesagt im
so genannten Eiskeller, den Besucher des Museums bei einer Führung
auch zu sehen bekommen. Die Teilnahme an einer solchen Besichtigung
wurde jedenfalls in Kasturas Kriminalkurzerzählung einem
pensionierten Richter zum Verhängnis. Irgendjemand hat ihn mit einem
großen Eispickel erschlagen und dann in den Gärkeller geschleift, wo
er aufgefunden wird.
„Richter Gnadenlos“ (Kastura) hatte sich in seinem Berufsleben
viele Feinde gemacht. Doch es gibt auch eine wesentlich jüngere
Ehefrau, die einen Liebhaber hat, und die sich Hoffnung auf das
beträchtliche Vermögen ihres Gatten gemacht haben könnte. Auch ein
unehelicher Sohn, ein erfolgloser Maler, könnte gut Geld gebrauchen.
Das Ermittlerduo, Staatsanwalt Brandeisen und Kommissar Küps, haben
jedenfalls genug Verdächtige, die ein Motiv hätten.
Die Erzählung ist äußerst unterhaltsam und spannend, teilweise
auch makaber, die Auflösung des Falles überraschend. Das
(unfreiwillige) Ermittlerduo Brandeisen und Küps lässt oft
schmunzeln oder herzhaft lachen, wie auch so manche Formulierung des
Autors, der es versteht, seine Texte zu einem sprachlichen
Hochgenuss werden zu lassen. Ungewöhnliche Metaphern sind dabei
(nur) eine seiner Stärken: Da sind die Wände des Eiskellers so
„schwarz wie die Seele eines korrupten Abtes“ und der überführte
Täter knickt im Kommissariat „so schnell ein wie eine billige
Zeltstange“.
Kastura kann sich durchaus vorstellen, das neu erfundene
Ermittlerduo noch weitere Fälle in Bamberg lösen zu lassen, hat er
jetzt doch auch Geschmack gefunden am Regiokrimi. „Nach Schleuse 100 habe ich Lunte
gerochen“, gibt der Autor lachend zu. Der Leser darf
sich jedenfalls auf weitere Kriminalerzählungen aus seiner Feder
freuen.