fraenkischer-tag.de
   http://www.fraenkischer-tag.de

11.11.2005
Ein toter Richter im Gär-Bottich
Thomas Kastura betrat mit Lesung im Brauereimuseum Neuland
Bild

 
Bamberg. Der Mord geschah im Keller der Klosterbrauerei von St.Michael. Und genau dort stellte der Bamberger Autor Thomas Kastura seine neue Kriminalerzählung vor.

von Monika Schmidmeier

Das Experiment, den gewohnten Rahmen einer Buchhandlung zu verlassen, muss als gelungen bezeichnet werden. Eigentlich hatten die Veranstalter vom Fränkischen Brauereimuseum mit vielleicht zwanzig, dreißig Besuchern gerechnet. Doch es kamen fast sechzig Krimifans auf den Michelsberg, um Thomas Kasturas Geschichte um einen ermordeten Richter zu lauschen.

„Als ich diese Gärbottiche da unten sah, musste ich sofort an Umberto Ecos Im Namen der Rose denken, wo ein Mönch im Ochsenblut steckt. Ich habe mir überlegt, wen ich da auffinden lassen könnte“, erklärt Thomas Kastura, wie ihm die Idee zu seiner neuen Erzählung kam, die den vielsagenden Titel „Es liegt noch eine Leiche im Gärkeller“ trägt.

„Die Anregung ging vom Brauereimuseum aus. Die Lesung ist der Anfang einer Reihe von mehreren Kulturveranstaltungen, die dort stattfinden sollen, um auch mehr auf das Museum aufmerksam zu machen. Außerdem ist das einfach mal was Anderes. Wir wollten mal die üblichen Lesungsorte verlassen. In einer Brauerei kommen die Leute gerne zusammen.“

Auch gruseln durften sich die Zuhörer ein wenig, konnten sie sich doch während der Lesung vorstellen, dass genau dort, unweit des Gastraumes, sich ein Mord zugetragen haben könnte, genauer gesagt im so genannten Eiskeller, den Besucher des Museums bei einer Führung auch zu sehen bekommen. Die Teilnahme an einer solchen Besichtigung wurde jedenfalls in Kasturas Kriminalkurzerzählung einem pensionierten Richter zum Verhängnis. Irgendjemand hat ihn mit einem großen Eispickel erschlagen und dann in den Gärkeller geschleift, wo er aufgefunden wird.

„Richter Gnadenlos“ (Kastura) hatte sich in seinem Berufsleben viele Feinde gemacht. Doch es gibt auch eine wesentlich jüngere Ehefrau, die einen Liebhaber hat, und die sich Hoffnung auf das beträchtliche Vermögen ihres Gatten gemacht haben könnte. Auch ein unehelicher Sohn, ein erfolgloser Maler, könnte gut Geld gebrauchen. Das Ermittlerduo, Staatsanwalt Brandeisen und Kommissar Küps, haben jedenfalls genug Verdächtige, die ein Motiv hätten.

Die Erzählung ist äußerst unterhaltsam und spannend, teilweise auch makaber, die Auflösung des Falles überraschend. Das (unfreiwillige) Ermittlerduo Brandeisen und Küps lässt oft schmunzeln oder herzhaft lachen, wie auch so manche Formulierung des Autors, der es versteht, seine Texte zu einem sprachlichen Hochgenuss werden zu lassen. Ungewöhnliche Metaphern sind dabei (nur) eine seiner Stärken: Da sind die Wände des Eiskellers so „schwarz wie die Seele eines korrupten Abtes“ und der überführte Täter knickt im Kommissariat „so schnell ein wie eine billige Zeltstange“.

Kastura kann sich durchaus vorstellen, das neu erfundene Ermittlerduo noch weitere Fälle in Bamberg lösen zu lassen, hat er jetzt doch auch Geschmack gefunden am Regiokrimi. „Nach Schleuse 100 habe ich Lunte gerochen“, gibt der Autor lachend zu. Der Leser darf sich jedenfalls auf weitere Kriminalerzählungen aus seiner Feder freuen.

...drucken >