MEMMELSDORF. Die Kirchweih ist um, der Durst
war groß. Höchste Zeit für Georg Höhn, den Kessel für den neuen
Gerstensaft anzuschüren.
von Leopold Teuscher
Georg Höhn dürfte
weit und breit der einzige Braumeister sein, der seinen Sudkessel
wie nach Großväter Sitte noch mit Holz und Kohlen befeuert.
Gestern, in aller Herrgottsfrühe, war es wieder so weit. Wie ein
Heizer auf der Dampflok muss der 44-Jährige arbeiten, um die nötige
Hitze für die rund 40 Hektoliter Sud herzubekommen. Der Schweiß
läuft ihm von der Stirn und das Hemd klebt ihm am Körper. Wie in
einer Sauna geht es in dem kleinen Brauhaus hinter der Memmelsdorfer
Hauptstraße zu.
Seit 1783 und damit seit acht Generationen wird bei den Höhns in
Memmelsdorf gebraut – immer nach dem gleichen Rezept. Naturtrüb und
unfiltriert ist das Bier, das nach dem Chef benannt ist: „Görchla“.
Die Idee einer Auszubildenden, erzählt er lachend.
Neun bis zehn Sude pro Jahr werden vom „Görchla“ angesetzt. Das
ergibt rund 400 Hektoliter. Die Brauerei Höhn ist damit eine der
kleinsten im Bamberger Land. Gebraut wird hauptsächlich für den
Hausgebrauch, also für den eigenen Gasthof. Und deshalb ist der
Brauvorgang noch Handwerk pur, sagt Georg Höhn und schiebt ein
großes Scheit Buchenholz nach. Viel hat sich da in den letzten
Jahrzehnten technisch nicht verändert.
Die kleine Braustätte ist somit auch für Besucher zur Attraktion
geworden. Mehrmals im Jahr führt Georg Höhn , der nicht nur
Braumeister, sondern auch Küchenchef ist, Gäste durch das Brauhaus
und erzählt, wie aus ökologisch angebautem Hopfen und Malz sowie aus
Hefe und Wasser nach acht Wochen Lagerung das schäumende
Lebenselixier des Franken wird. Das darf dann beim anschließenden
Essen mit Bierhaxn gleich ausprobiert werden. „Biererlebnis für alle
Sinne“ hat Georg Höhn dieses Angebot betitelt und damit ins Schwarze
getroffen. Denn Bier, so seine Erfahrung, ist ein wichtiges Thema,
wenn man Touristen zum Urlaubmachen nach Franken locken will. Die 48
Betten bei der Familie Höhn sind jedenfalls gut frequentiert.
Und deshalb wird wohl auch künftig der Sudkessel bei den Höhns
mit Holz und Kohle angeheizt. Die neunte Generation steht schon in
den Startlöchern, um die über 220 Jahre währende Tradition aufrecht
zu erhalten.